Beitrag 04-3907

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Datum/Uhrzeit: 29.05.2024 19:19
Titel: Re: Einheitselloks–uneinheitlich! (25) - Retrojahre im AW MF

Jemand schrieb:

Wenn jemand die Gründe kennt, warum im AW MF in der ersten Hälfte der 70er Jahre unterschiedlich bei den 110.1 und 110.2 verfahren wurde, wäre ich natürlich sehr interessiert daran. Durchaus auch an Spekulationen…

Bevor ich's vergesse: auf deinem Bild 20 ist 110 351 zu sehen. Das Portrait hast du ja hier schon mal gezeigt: Link (Bild 11)

Damals und überhaupt ist mir erst jetzt aufgefallen, dass bei dem Neubaukasten die seitlichen Gusskekse fehlen! Die hat sie nach dem Neuaufbau demzufolge nie besessen (Einzelstück?). Kein Wunder, dass mir die Lok aus eigener Anschauung immer 'irgendwie anders' vorkam: Link.

Weitere Fotos sind hier zu sehen: Link und Link.

1979 also schon ohne Pufferverkleidungen. Den Abbau der Schürzen würde ich auf spätestens 1980 datieren wollen.

Ob man sich damals die acht seitlichen Bohrlöcher im schönen neuen Kasten sparen wollte?

Mit den Fotos der 110 351 kann ich auch direkt auf meine Vermutungen überleiten:

  1. höheres Alter der 110.1, wenn auch nur wenige Jahre. Daher eher Korrosionsprobleme an den Regenrinnen? Die planmäßigen Fristfolgen (U2 - U2 - U3 o. ä.) könnten in Abhängigkeit der Baujahre vielleicht die 110.1 von den 110.2 durch eine Umbruchphase in der Aufarbeitungspraxis getrennt haben?
  2. an den 110.1 waren die Führerstandsecken nicht durchgehend als Regenrinne ausgebildet, anders als an den 110.2 (und Bügelfalten). Daher konnte man vielleicht mal schneller an den Regenrinnenansätzen zur 'Flex' greifen. Vielleicht waren die Regenrinnen an den 110.1 auch einfacher zu entfernen, da keine benachbarten Bauteile im Weg waren (siehe 3.)? Wenn die 110.2 durchgehende Regenrinnen hatten, war das bei denen ein reiner Regenwasser-Überlauf statt -Ablauf (an den Ecken) oder gab's 'Bohrlöcher'?
  3. die Schweiger-Lüftungsgitter stehen nicht oder nur unwesentlich nach außen über. Bei den Doppeldüsen-Lüftungsgittern sieht man eine äußere (Kunststoff-?)Einfassung und somit einen äußeren Überstand, der evtl. sterisch nachteilig war und in die Überlegungen zum Belassen der Regenrinnen Eingang fand. Vielleicht trug auch anderes Regenwasser-Ablaufverhalten (insb. im Stillstand) und Eindringen in den Maschinenraum dazu bei? Die Schweiger-Lamellen waren waagerecht angeordnet (nachteilig während der Fahrt), die DDL-Lamellen senkrecht mit 'Überlaufkante' wegen der äußeren Einfassung (nachteilig während des Stillstands?).
  4. Erfahrungen und Entwicklungen in den Jahren ab 1967, als die letzten Einheitselloks bereits mit blauem bzw. grünem Dachrand ohne Regenrinne ausgeliefert wurden. Man glaubte, auf Regenrinnen über den Frontfenstern verzichten zu können und beließ nur noch kurze Regenleisten über den Türen. Mit den späteren geklebten Gummileisten sowohl über den Türen als auch über den Frontfenstern (bei einigen o/b-Bügelfalten sogar durchgehend bis über die Türen hinweg) hatte man auch manchmal 'Haftungsprobleme'. Die Einheitselloks, bei denen durch Neulackierungen oder Ausbesserungen die Regenrinnen entfielen, hatten in den ersten Jahren auch keine Gummileisten über den Frontfenstern.
  5. hatte evtl. die Entwicklung bei den Lüftungsgittertypen (Schweiger => DDL => Klatte Vorserie => Klatte Serie) auch einen Einfluss auf die den Regenrinnen zugewiesenen Aufgaben? Immerhin fand da 1971 mit den letzten Serien der Baureihen 140 und 150 eine sichtbare Abwendung von Schweiger und DDL zu Klatte statt, aber der Einsatz der neuen Klatte-Gitter in den AW Opladen und Freimann verzögerte sich noch ein paar Jahre. Allerdings sind Klatte-Gitter bei vorhandener Blechregenrinne auch kein Einbauhinderungsgrund (siehe z. B. 110 125).

Vielleicht kannst du dich dieses Themas auch noch bei den früh erneut blau lackierten Bügelfalten annehmen: Link.