Jemand schrieb:
Dass das Projekt eingestellt wurde, stimmt übrigens nicht so ganz: In den späten 1970ern holte die Bundesbahn die Pläne wieder raus, weil man den zukünftigen ICEs das Kopfmachen in Köln Hbf ersparen wollte. Die Strecke sollte quer durch Chorweiler führen, wo ein entsprechend breiter Streifen zunächst nicht bebaut wurde. Nachdem heftige Proteste das Projekt scheitern ließen kam es zur heutigen Lösung mit dem Ausbau von Deutz-tief.
Ich erinnere mich an ein großes Banner in Köln-Chorweiler mit der Aufschrift 'Stoppt die Schnellbahntrasse | 160 Züge pro Tag | 200 km/h' (o. ä.), welches an dem parallel zur Willi-Suth-Allee ausgerichteten Parkhauses der Göteborgstraße prangte. Das war so Mitte der 1970er-Jahre.
Die geplante Trasse war bis 2018 auf ganzer Länge theoretisch noch verfügbar. Es standen noch keine nennenswerten Bauten darauf. Erst seit der Gebäudekomplex Zschopaustraße 25, 27 und 29 am Nordrand von Leverkusen-Rheindorf steht, ist der Weg 'versperrt'. Interessanterweise wurde das Grundstück von der 'Bahn AG' gekauft, war also offenbar noch nicht 'entwidmet'?! Ob das auch für den Kölner Teil der Trasse noch so ist, wage ich zu bezweifeln.
In Chorweiler wäre die Trasse wahrscheinlich als geständerte Trogbauweise (ähnlich der L 293 {Münchener Straße} in Düsseldorf-Benrath) errichtet worden, zwischen der Mercatorstraße und Longerich auf einem aufgeschütteten Damm, der teilweise noch existiert. Die Häuser 101, 103 und 116 des Stallagswegs in Köln-Heimersdorf stünden auch im Weg, sind mMn aber erst nach 1975 entstanden. Interessant wäre die Trassenlage südlich des Stallagswegs einschließlich des Bahnhofs Köln-Longerich. Die 'berühmte' Skizze von Joachim Biemann veranschaulicht gut die geplante Ausfädelung von Güter- und Personenverkehr nördlich des Stallagswegs bzw. Unnauer Weges und er erwähnt auch die überbreite Trassenführung entlang des Rbf Nippes.
Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass auch die 'Lücke' (ca. 8 m) zwischen den beiden Bahnsteigen in Longerich dafür vorgesehen war, die geplante Schnellbahntrasse aufzunehmen. Es wäre sicherlich vonnöten gewesen, die Gleise 3 und 4 (westlicher Bahnsteig) unter der Schnellbahntrasse nach Osten zu verschwenken oder südlich Longerich eine kreuzungsfreie Einfädelung von beiden Personenzugstrecken zu verwirklichen.
Man hätte das Gelände - wenn Geld dagewesen wäre - bereits zur Bauzeit der S-Bahn (1973-75) großzügig für eine getrennte Zweigleisigkeit von S-Bahn und Personenzugstrecke bereits ab Köln-Nippes nutzen können. Dafür hätte man aber in Nippes (erst 1990 verwirklicht) und der Südausfahrt des Rbf auch weite Teile der Gleisführung des Güterverkehrs in die Hand nehmen und ebenfalls ein Überwerfungsbauwerk zwischen Geldernstraße und Longerich bauen müssen. Das als Überwerfungsbauwerk des Richtungsgleises Neuss nördlich des Bahnhofs Longerich wurde mMn allerdings ohne Rücksicht auf die geplante Schnellfahrtrasse dergestalt angelegt.