Beitrag 04-1592

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Datum/Uhrzeit: 16.07.2013 00:10
Titel: Wem darf man letztlich glauben?

Um die Verwirrung perfekt zu machen, hier noch Informationen aus dem seinerzeitigen Drehscheibe-Sonderdruck 'Zugunglück bei Hochspeyer' von Eric Sven Gilgore (inkl. Tippfehlern; fett = eigene Hervorhebung):

Aufgrund des Aufstoßes auf den Erdhaufen (' typisch Pfälzer Rotsand(stein) ') war das ZBF-Gerät (ZugBahnFunk) beschädigt, so dass der Lokführer, der weitgehend unverletzt blieb, den Zug verließ, um sich zu einem Streckenfernsprecher zu begeben. Dieser befindet sich noch 400 Meter weiter nach Hochspeyer am Ende des Einschnitts an der Seite des Richtungsgleises Hochspeyer-Kaiserslautern.

((Bei der späteren (polizeilichen) Vernehmung des Lokführers der 140, stellte sich heraus, dass es bei seiner Einfahrt in den Heiligenbergtunnel noch nicht regnete. Später sei er dann in 'eine weiße Wand', den Regen, gefahren. Aus diesem Grund könne er nicht mit absoluter Sicherheit sagen, ob die Gleise bereits blockiert waren oder ob sich der Erdrutsch erst bei der Vorbeifahrt der 140 633-9 löste. Mitarbeiter der Fahrleitungsmeisterei, welche bis gegen 15.00 Uhr an der betreffenden Stelle des Einschnitts im Einsatz waren, gaben an, nichts auffälliges (heruntergefalle Steine, Erdrutsch, ...) bemerkt zu haben.)) (ca. 15.15 Uhr)

Um 15.20 Uhr rammte dann die 110 die 140 mit noch etwa 110km/h. Die später vorgenommene Auswertung ergab, dass keine Bremsung mehr eingeleitet wurde.

Ein noch während der Fahrt beider Züge erfolgter Zusammenstoß hätte eine Relativgeschwindigkeit von fast 200 km/h zur Folge. Ob sich dadurch das Erscheinungsbild an der Unfallstelle und den Fahrzeugen, insb. den Loks, wesentlich verändern würde, als bei der allgemein verbreiteten Annahme, der D-Zug wäre in den bereits stehenden G-Zug gefahren, weiß ich nicht.

Weiterhin ist wohl unzweifelhaft, dass es nur 1 Todesopfer (aus dem ersten Reisezugwagen) gab, was angesichts der Deformationen an 140 633 für die Abwesenheit deren Lokführers spricht. Ebenso widerlegen die verlinkten DSO-Beiträge, dass die Loks in Hochspeyer zerlegt wurden. Ob und wann die Zerlegung tatsächlich im Bw Kaiserslautern stattfand, scheint ungeklärt.

Edit: Und siehe da, die Suche nach weiteren Quellen war erfolgreich. Annähernd der gleiche Text wie bei der DS findet sich auch im LOK Report 8/88 auf den Seiten 5 bis 7. Ein dort enthaltenes Foto der 140 633 noch an der Unfallstelle lässt den Schluss zu, dass der Lokführer den Unfall nicht überlebt hätte, hätte er sich noch auf seiner Lok befunden.

Des Weiteren berichtet der LR 11/88

Die Unfallok 140 633, am 28. Juni 88 in Hochspeyer schwer verunglückt, wurde am 7. August 88 zusammen mit der ebenfalls beteiligten 110 104 z-gestellt. Beide Maschinen werden im AW Kaiserslautern verschrottet.

Jetzt weiß ich auch wieder, woher ich diese Information hatte, die mir immer noch im Gedächtnis geblieben ist.

Dagegen steht die Aussage aus DS 50 (6/88):

Die beiden Unfalllok von Hochspeyer (bei Kaiserslautern) 110 104 und 140 633 (siehe auch DS 49) werden entgegen anderslautenden Meldungen nicht im AW Bremen wiederhergestellt. Die beiden Maschinen wurden so stark beschädigt, dass eine Aufarbeitung nicht mehr wirtschaftlich erscheint, sie müssen ausgemustert werden. Laut DB befanden sich die beiden Loks Anfang September im AW Opladen.

Ich bin geneigt, der Verschrottungstheorie im AW Kaiserslautern zuzustimmen, insbesondere da keine verwertbaren Augenzeugenberichte aus dem Bw Kaiserslautern oder gar dem AW Opladen vorliegen und das AW Kaiserslautern sicher über geeignete Werkzeuge und Kapazitäten verfügt hat.